Erst die Stärken, dann der Beruf: sprungbrett Coaching an der Carl-von-Linde-Realschule


Welcher Beruf es einmal werden soll, ist am Anfang gar nicht die wichtigste Frage. Das sagt Dr. Edwin Semke vom Institut für Kompetenz und Begabung. Er hat unsere Zehntklässlerinnen und Zehntklässler beim neuen sprungbrett Coaching begleitet. Wer noch keine Vorstellung von seinem Berufsweg hat, sollte nach Semkes Erfahrung zuerst zwei Dinge klären: die Sicherheit, Entscheidungen zu treffen, und die eigenen Fähigkeiten und Stärken. „Das ist die Grundlage für spätere Entscheidungen. Welcher Beruf das sein wird, ist in diesem Stadium erstmal unwichtig.“

Genau dort setzt das Coaching an. Vorab haben die Jugendlichen wissenschaftlich fundierte Interessen- und Kompetenztests bearbeitet. Ein eigens entwickeltes KI-Werkzeug hat die Ergebnisse gebündelt und daraus Vorschläge für passende Ausbildungsberufe abgeleitet. Fachleute haben diese Vorschläge geprüft, anschließend wurden sie im Einzelgespräch mit dem Coach besprochen. Daraus entstanden für jede Schülerin und jeden Schüler konkrete nächste Schritte für die Berufswahl.

Das letzte Wort hat dabei nicht die Maschine. Bei Tests zu Fähigkeiten und Interessen entstehe schnell der Eindruck, „dass Algorithmen entscheiden, was für uns gut ist“, sagt Semke. Der Coach könne der technischen Auswertung „eine persönliche Note geben, indem er Eigenschaften berücksichtigt, die vielleicht von einer Maschine nicht bedacht wurden“.

Wie das bei den Jugendlichen ankam, zeigen ihre Rückmeldungen direkt nach dem Coaching. Mats war überrascht, „dass ich in einer sehr kurzen Zeit herausgefunden habe, was für ein perfekter Beruf für mich wäre“. Dass die KI ihm so viele Vorschläge macht, „die mir taugen“, hätte er nicht erwartet. Jana fand die Kombination am hilfreichsten: Die KI lieferte die Berufsvorschläge, im Gespräch mit dem Coach konnte sie diese „nochmal vertiefen“. Julia hat gestaunt, wie viel sie mit IT zu tun hat und dass sie mehr kann, als sie sich selbst zugetraut hätte. Emma fand die Vorschläge „sehr überzeugend“, weil es zu jedem Beruf Beispiele gab und man besser verstehen konnte, was dahintersteckt.

Für Ursula Steinlein, Koordinatorin für Berufliche Orientierung an unserer Schule, ergänzt das Coaching ein Programm, das schon in der 8. Klasse mit Stärkengesprächen beginnt. In der 9. Klasse kommen unter anderem Praktika, Azubi-Workshop-Tage und Bewerbungstraining dazu. „Und wer in der zehnten trotzdem noch nicht weiß, wohin die Reise gehen soll, bekommt jetzt einen eigenen Coach, der sich Zeit nimmt, genau hinschaut und mit jedem Einzelnen herausfindet, was wirklich zu ihm passt.“ Gerade für Unentschlossene sei das eine große Hilfe, weil in der kleinen Gruppe jede und jeder einzeln betreut werde.

Das sprungbrett Coaching ist ein Angebot von sprungbrett bayern. Gefördert wird es vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie und vom Sparkassenverband Bayern. Projektträger ist SCHULEWIRTSCHAFT Bayern im Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft.